Stellungnahme zu diffamierender Berichterstattung und Beschönigung der Personalsituation

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Ende letzter Woche war die BiM wieder mal in den Medien. Der Betriebsrat nimmt Stellung zur Berichterstattung und verstärkt die Forderung nach mehr Personal.

In Zeitungsberichten vom Freitag 26.01.24 wurde von einer verärgerten Wiener Mama, die anonym bleibt, berichtet – angeblicher Grund: mangelnde Deutschkenntnisse bei einem Freizeitpädagogen. Dies wurde von mehreren Medien in teils reißerischen Schlagzeilen aufgegriffen.

Als Betriebsrat möchten wir dazu festhalten: Als Freizeitpädagog:innen an Wiener Volksschulen kümmern wir uns Tag für Tag um 35.000 Kinder und führen Gespräche mit bis zu 70.000 Eltern – und das in dutzenden Sprachen! Wo sich Tag für Tag tausende Menschen begegnen, gibt es auch immer wieder Ärger. Auf allen Seiten. Das ist menschlich und es ist unser Berufsalltag.

Gerade neue Kolleg:innen müssen von einem Tag auf den anderen ohne Einarbeitungsphase alleinverantwortlich für 25 Kinder und mehr arbeiten. Dass dies auf vielen Ebenen zu Überforderungen führen kann, ist nur selbstverständlich. Wir fordern deshalb als Betriebsrat schon lange mehr Unterstützung für Wieder- und Neu-Einsteiger:innen.

Alltäglicher Ärger politisch instrumentalisiert

Von Bedeutung ist aus unserer Sicht eher die Frage, wieso eine anonyme Einzelmeinung eine Presseagenturmeldung rechtfertigt? Dahinter steckt ein politisches Interesse, einen migrationsfeindlichen Diskurs im Vorwahlkampf zu nähren: Die APA-Meldung wird auch sogleich durch „Kritik von FPÖ und ÖVP“ ergänzt, die sprachliche Zugangsbarrieren fordern. Letztere versucht sich auch in ihrer Regierungsverantwortung hartnäckig an der Abwertung unserer Berufsgruppe. Dies wird nun offensichtlich auch noch durch mediale Untergriffe flankiert. Wir fordern demgegenüber ausreichend Ressourcen, damit Mehrsprachigkeit in der Schule wirklich gelebt werden kann und als wertvoll anerkannt wird!

Kern der Probleme: Überlastung und Personalmangel

Dabei spricht die zitierte Mutter den Kern der Probleme an: Sie weist auf den Betreuungsschlüssel von einem FZP pro 21 Kinder hin. „Das ist einfach nicht ausreichend“ – dem schließen wir uns an, obwohl viele von uns mit noch viel mehr Kindern in der Klasse stehen!

Unter der Situation eines zu schlechten Betreuungsschlüssels leiden Kinder, Eltern und Freizeitpädagog:innen seit Jahren. Als BiM-Betriebsrat und Belegschaft machen wir das immer wieder auch öffentlich. Erst im vergangenen Mai wurde eine Liste der dringlichsten Forderungen an den zuständigen Stadtrat Wiederkehr übermittelt. Dass dieser nun Personalknappheit dementiert, ist aus unserer Sicht absurd. Er behauptet, es bestünde „aktuell sogar ein leichter Überhang im Personalstand“. Diese Aussagen sind ein Hohn gegenüber allen Kolleg:innen an den zahlreichen Schulen, an denen es seit Schulbeginn nicht gelungen ist, alle sowieso viel zu knapp bemessenen Planstellen zu besetzen.
Die „Mängel infolge von massiven Krankheitswellen“, die auch der Bildungsstadtrat einräumen musste, sind oft eine verschärfende Folge von Unterbesetzung und nicht ihre Ursache – auf Kosten unserer Gesundheit.

Unterstützung für Neueinsteiger:innen im Beruf gefordert

Ebenfalls bereits vor einem Jahr an BiM und Bildungsstadtrat übermittelt wurde die dringende Forderung nach mehr Unterstützung für Neueinsteiger:innen im Beruf der Freizeitpädagogik. Ab dem ersten Tag alleine eine Gruppe übernehmen zu müssen, kann zwar gut gehen, führt aber oft zu Frust, Ärger und hoher Belastung bei den betroffenen Kolleg:innen und in ihren Teams. Besonders wichtig wären solche Maßnahmen für Kolleg:innen mit einer anderen Ausbildung als dem Hochschullehrgang für Freizeitpädagogik (z.B. Kolleg:innen mit Lehramts-Universitätsabschluss), da sie meist keine Praktikumserfahrung in der Freizeitpädagogik haben. Es ist richtig, dass wir Freizeitpädagog:innen „wichtige kulturelle Brücken für Kinder mit internationalen Biografien“ schaffen. Aber dieses Potenzial kann sich nur unter guten Arbeitsbedingungen, mit ausreichenden Ressourcen und einer sorgfältige Personaleinsatzplanung entfalten!

Ein „Buddy-System“ zur Unterstützung von neu einsteigenden Kolleg:innen soll nun umgesetzt werden. Das kann nur ein erster Schritt sein. Mehr Personal in den Gruppen/Klassen und mehr Zeit, sich auf die herausfordernde Arbeit vorzubereiten, ist der Schlüssel zu mehr Qualität!

Quellen

https://science.apa.at/power-search/12249756044950107454
https://www.kosmo.at/wien-volksschueler-toppen-paedagogen-teilweise-bei-deutschkenntnissen/
https://www.sn.at/panorama/oesterreich/aerger-eltern-nachmittagsbetreuung-wiener-schulen-152332414
https://www.vienna.at/arger-bei-eltern-uber-betreuungsprobleme-an-wiener-schulen/8531002
https://www.diepresse.com/18031612/mangelnde-deutschkenntnisse-betreuungsprobleme-am-nachmittag-an-wiener-schulen

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